„Sie wollen lernen und vorankommen“

Vietnamesische Auszubildende bereichern das Fleischerhandwerk im Hohenlohekreis

Seit inzwischen rund drei Jahren kommen junge Menschen aus Vietnam ins Hohenloher Land, um hier eine Ausbildung im Fleischerhandwerk zu absolvieren. An der Gewerblichen Schule Künzelsau lernen sie gemeinsam mit ihren deutschen Mitschülerinnen und Mitschülern die theoretischen Grundlagen ihres Berufs, während sie in regionalen Betrieben praktische Erfahrungen sammeln. Allein im ersten Ausbildungsjahr werden derzeit
20 Auszubildende aus Vietnam beschult – 13 angehende Fleischerfachverkäuferinnen und sieben angehende Fleischer.

Die Erfahrungen der Schule und der Ausbildungsbetriebe sind durchweg positiv. Die jungen Menschen bringen Motivation, Lernbereitschaft und Durchhaltevermögen mit. Gleichzeitig eröffnet die Ausbildung ihnen neue Perspektiven für ihre persönliche und berufliche Zukunft. Damit profitieren beide Seiten: Die Betriebe gewinnen engagierte Nachwuchskräfte, während die Auszubildenden wertvolle Qualifikationen erwerben und neue Lebenswege beschreiten können.

Auch Schulleiter Oberstudiendirektor Moritz Keller zieht eine positive Bilanz: Die vietnamesischen Schülerinnen und Schüler integrierten sich sehr gut in den Schulalltag, arbeiteten engagiert mit und machten kontinuierliche Fortschritte. Besonders ihre Leistungen in Mathematik seien bemerkenswert. Auch beim Erwerb der deutschen Sprache zeigten sie großen Einsatz. „Die jungen Menschen fügen sich sehr gut ein, strengen sich an und verhalten sich äußerst ordentlich. Wir sind mit ihrer Entwicklung sehr zufrieden“, betont Keller.

Zwei Auszubildende stehen stellvertretend für viele weitere junge Menschen aus Vietnam, die derzeit ihren beruflichen Weg im Hohenlohekreis gehen.

Von Hai Duong nach Schwäbisch Hall

Die 20-jährige Thi Duyen Nguyen stammt aus Hai Duong im Norden Vietnams. Seit wenigen Monaten lebt sie in Deutschland und absolviert bei der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall ihre Ausbildung zur Fleischerfachverkäuferin.

Auf die Frage, was ihr an ihrer Ausbildung besonders gefällt, muss sie nicht lange überlegen: „Ich habe schon so viele Erfahrungen gesammelt. Ich habe nette Kolleginnen und Kollegen und kann viele freundliche Kunden bedienen.“ Auch Deutschland beschreibt sie in positiven Worten: „Das Land ist schön. Ich habe viele Menschen kennengelernt und in der Schule viele neue Kenntnisse gesammelt.“

Obwohl sie erst seit kurzer Zeit in Deutschland lebt, kann sie sich bereits auf Deutsch verständigen. Sie macht die Erfahrung, dass ihre Deutschkenntnisse von Tag zu Tag besser werden. Für ihre Zukunft hat sie klare Ziele: Sie möchte weiter Deutsch lernen, ihre Ausbildung erfolgreich abschließen und möglichst lange in Deutschland leben und arbeiten.

Wie positiv sich die junge Auszubildende entwickelt, bestätigt auch ihre Ausbilderin Stefanie Dieterich, Fleischerfachverkäuferin, Metzgermeisterin und Filialleiterin bei der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall. Anfangs sei vieles noch ungewohnt gewesen. Doch schon nach kurzer Zeit habe Thi Duyen Nguyen große Fortschritte gemacht. „Von Woche zu Woche hat sie sich gesteigert“, berichtet Dieterich. Inzwischen arbeite sie selbstständig, sei pünktlich, zuverlässig und sehr gewissenhaft. Bestimmte Aufgabenbereiche erledige sie bereits eigenverantwortlich. Besonders ihre sorgfältige Arbeitsweise und ihr Engagement würden im Betrieb geschätzt.

Neue Chancen in Kupferzell

Ganz ähnlich sind die Erfahrungen der Metzgerei Beck in Kupferzell mit ihrem vietnamesischen Azubi. Dort absolviert der 21-jährige Dinh Chin Ho aus der vietnamesischen Provinz Quang Binh seine Ausbildung zum Fleischer.

Warum er nach Deutschland gekommen ist? Er möchte eine neue Kultur kennenlernen, neue Menschen treffen und sich beruflich weiterentwickeln. Zudem sieht er die Möglichkeit, seine Familie in Vietnam finanziell zu unterstützen. An Deutschland schätzt er insbesondere die beruflichen Chancen und das gute Betriebsklima. „Wenn ich einmal nichts zu tun habe, zeigen mir mein Chef oder die Kollegen sofort, was ich machen kann“, erzählt er.

Auch in seiner Freizeit hat er bereits Kontakte geknüpft. Mit Nachbarn aus Kasachstan spielt er Fußball. In Vietnam gehörten Volleyball, Schwimmen und Laufen zu seinen Hobbys.

Sein Ausbildungsbetrieb ist mit ihm sehr zufrieden. „Er ist sehr eifrig, wissbegierig und zuverlässig“, sagt Volker Rappold, Kaufmännischer Leiter der Beck GmbH & Co. KG. Der junge Mann besucht parallel zur praktischen Ausbildung die Gewerbliche Schule Künzelsau und zeige sowohl im Betrieb als auch in der Schule großen Einsatz.

Für die Firma Beck GmbH & Co. KG ist die Ausbildung internationaler Fachkräfte inzwischen ein wichtiger Baustein der Nachwuchsgewinnung. „Wir haben in Deutschland einfach zu wenig Auszubildende“, erklärt Rappold. Die Erfahrungen mit den jungen Menschen aus Vietnam seien ausgesprochen positiv: „Die Motivation ist sehr hoch. Sie wollen lernen und vorankommen.“

Unterstützt werden die Auszubildenden durch ein spezialisiertes Vermittlungsbüro, das bereits in Vietnam Sprachkurse organisiert und die jungen Menschen auf ihren Schritt nach Deutschland vorbereitet. Es begleitet den gesamten Prozess von der Auswahl über die Visaformalitäten bis hin zur Ankunft in Deutschland. „Es ist ein gewaltiger Schritt, von Vietnam nach Deutschland zu kommen“, betont Rappold. Umso beeindruckender sei die Entschlossenheit vieler junger Menschen, diesen Weg zu gehen.

Gelungene Integration im Alltag

Die Beispiele von Thi Duyen Nguyen und Dinh Chin Ho zeigen, wie Integration im Alltag gelingen kann. Schule, Ausbildungsbetriebe und die jungen Menschen selbst tragen gemeinsam dazu bei, dass aus einer beruflichen Chance eine Erfolgsgeschichte wird.

Viele der vietnamesischen Auszubildenden leben zum ersten Mal fern ihrer Familien. Während der Ausbildungszeit können sie ihre Heimat oft über Jahre hinweg nicht besuchen. Der Kontakt erfolgt meist per Telefon oder Videogespräch. Umso wichtiger sind die Unterstützung durch Betriebe, Schule und das persönliche Umfeld vor Ort.

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre machen deutlich: Die jungen Menschen aus Vietnam bringen nicht nur Fachkräftepotenzial mit, sondern bereichern auch das gesellschaftliche Leben in der Region. Ihr Fleiß, ihre Lernbereitschaft und ihre Offenheit werden von Lehrkräften, Ausbilderinnen und Ausbildern sowie Kolleginnen und Kollegen gleichermaßen geschätzt.

So entsteht eine Situation, von der alle Beteiligten profitieren – die Betriebe, die Schule, die Region und vor allem die jungen Menschen selbst, die sich mit großem Mut auf ein neues Leben in Deutschland einlassen.