
Die Gewerbliche Schule Künzelsau ist bei der modernen, digital vernetzten Fertigung mittendrin statt nur dabei. Seit einigen Jahren verfügt die Schule über eine hochmoderne verkettete Anlage für die Aus- und Weiterbildung im Bereich Metall- und Elektrotechnik. Dort lernen die Schülerinnen und Schüler anschaulich, wie die Digitalisierung die industrielle Produktion verändert: Moderne Fertigungsanlagen kommunizieren miteinander, tauschen Daten aus und steuern Produktionsabläufe weitgehend selbstständig.
Viele dieser Entwicklungen werden unter dem Begriff „Industrie 4.0“, kurz I40, zusammengefasst. Dabei handelt es sich nicht um eine einzelne Technik, sondern um das Zusammenspiel verschiedener Elemente moderner Fertigung, die je nach Anlage in unterschiedlicher Ausprägung vorhanden sein können. Die Anlage der Gewerblichen Schule Künzelsau bildet zentrale Elemente davon ab: die Kommunikation zwischen den Anlagenteilen, die Erfassung und Verarbeitung von Fertigungsdaten sowie die digitale Begleitung des gefertigten Produkts.
Werkstücke werden auf Werkstückträgern durch verschiedene Fertigungsbereiche transportiert. Digitale Informationen steuern die einzelnen Produktionsschritte. Die Stationen der Anlage kommunizieren miteinander, Fertigungsdaten werden erfasst und Prozesse dokumentiert. So können die Schülerinnen und Schüler nachvollziehen, wie moderne Produktionssysteme funktionieren – vom Auftragseingang bis zur Qualitätskontrolle.
Das Grundlagenlabor der Schule stellt dafür acht Arbeitsplätze bereit. Dort erwerben die Schülerinnen und Schüler Kenntnisse in Pneumatik, Elektropneumatik und SPS-Programmierung. Diese Kompetenzen gehören zu den wichtigen Grundlagen moderner industrieller Berufe und sind im Bildungsplan verankert.
Die Anschaffung der Anlage geht auf eine gemeinsame Initiative der Schule und der Innovationsregion Hohenlohe zurück. Die Gesamtkosten der Anlage einschließlich der Förder- und Sortiersysteme für die Grundlagenausbildung belaufen sich auf rund 450.000 Euro. Der Hohenlohekreis übernahm den größten Teil der Finanzierung, die Innovationsregion Hohenlohe e. V. beteiligte sich mit einem Zuschuss von zehn Prozent.
„Mit dieser Investition können wir unseren Schülerinnen und Schülern eine Ausbildung auf dem neuesten Stand der Technik bieten. Die Digitalisierung hält in allen Bereichen der industriellen Produktion Einzug. Deshalb ist es unser Anspruch, junge Menschen bestmöglich auf die Anforderungen der Arbeitswelt vorzubereiten. Für die großzügige Unterstützung bedanken wir uns herzlich beim Hohenlohekreis und bei der Innovationsregion“, betont Oberstudiendirektor Moritz Keller.
Auch für die regionale Wirtschaft bietet die neue Infrastruktur zusätzliche Möglichkeiten. Der Anlagenraum verfügt über einen separaten Zugang, sodass die Einrichtung künftig auch für Fortbildungen genutzt werden kann. Damit stärkt die Gewerbliche Schule Künzelsau ihre Rolle als moderner Bildungs- und Innovationspartner der Betriebe in der Region.
Die neue Anlage wurde zu Beginn des vergangenen Schuljahres offiziell eröffnet. Sie ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, die Prinzipien von Industrie 4.0 nicht nur theoretisch kennenzulernen, sondern moderne Fertigungsprozesse unmittelbar zu erleben, zu verstehen und selbst zu gestalten.