Tauschkultur statt Wegwerf-Wahnsinn

By | März 6, 2018

Fair gehandelte Lebensmittel und Kleidung könnten der kommende Trend werden. Das deutete das Bundesentwicklungsministerium auf der Grünen Woche in Berlin an. Ihren Teil zum sozialen und ökologischen Handel mit Kleidung tragen die Schüler der Gewerblichen und der Kaufmännischen Schule in Künzelsau bei.

Caro Jakobi (links) hat sich ein hellblaues Herrenhemd ausgesucht, Gina-Maria Keller gefallen ein Pulli und ein Shirt.
Foto: Torsten Büchele

 Etwas zurückgeben

Noch bis Donnerstag findet dort in den Mittagspausen die schulinterne „Clothing Change Week“ statt, also die Kleidertausch-Woche. Wer sich auf dem Basar im Foyer der Gewerblichen Schule von gut erhaltener Kleidung trennt, darf sich dafür wieder genauso viele Klamotten vom Ständer klauben. Was übrig bleibt, geht an eine gemeinnützige Sammlung. 30 Kilogramm sind in der ersten der beiden Wochen zusammengekommen, überwiegend Frauensachen.

Caro Jakobi (17) und Gina-Maria Keller (18) managen am Montag den Markt. Das Ökologische steht für sie im Vordergrund, die Wiederverwertung der Kleidung. Mit ihrer Klasse haben sie einen Vortrag über Ressourcenschonung und Recycling besucht. Danach wollten sie am Kleidertauschprogramm von Reduse“ teilnehmen. „Soziales ist mir wichtig“, erklärt Jakobi. „Man gibt etwas, erhält etwas zurück und muss nichts dafür zahlen.“ Keller sieht weitere Vorteile: „Man kann seinen Eltern eine Freude machen und endlich mal den Schrank aufräumen.“

Sie setzen ein Zeichen gegen den Wegwurf von Billigkleidern. „Viele wollen immer mehr. Kaum jemand fragt sich: Brauche ich das wirklich?“ erkennt Keller und gibt zu: „Auch ich habe locker hundert Sachen.“ Doch wer teure Kleider kaufe, überlege eher, ob er sie brauche, und gebe am Ende weniger aus. Außerdem hielten teurere Stoffe oft länger. Die 18-Jährige hat mehrere Kleider und Hosen mitgebracht, die sie seit einem Jahr nicht mehr trägt.

Ausmisten

Bei Jakobi geht das schneller: „Mein Schrank ist zu klein. Ich sortiere nach jedem Sommer und Winter aus.“ Sie weiß, wie Second-Hand geht: „Meine alten Sachen gehen an meine Kusinen. Ich hatte mal eine Jacke, da war ich zwei Jahre alt. Die gibt es immer noch, seit 15 Jahren.“ Ein hellblaues Hemd hat sich die 17-Jährige ausgesucht: „Das ist für meinen Vater, er hat bald Geburtstag.“

15 Kleidungsstücke – einen vollen Wäschekorb hat Sportlehrer Michael Bäuerle mitgebracht. „Das sind Sportklamotten wie dieses blaue Nike-T-Shirt, aus dem ich rausgewachsen bin.“ Wie schwer fällt die Trennung? Bäuerle lacht: „Männer haben nicht so enge Beziehungen zu ihrer Kleidung.“ Das sieht Carina Fischer anders: Sie schleppt eine schwere Tasche mit Pullovern und Jacken her. Jakobi legt sie auf die Waage: Es sind fünf Kilogramm. Genauso viel darf Fischer wieder mitnehmen. Tut sie aber nicht: Umstandsmode für die Schwangere ist nicht im Angebot.

Gerlinde Sterr gefällt ein geblümtes Kleid. „Mir passen auch kleine Größen wie Schülergrößen“, sagt die Chemielehrerin. Nach der Anprobe im Sanitätsraum gibt sie das Kleid zurück: Es ist zu groß. Wenig geht am Montag über den Tisch. Der Kleiderberg wächst, statt abzunehmen. Wer zu viel zu Hause hat, bringt es vorbei, nimmt aber nichts mit. Und wer dringend etwas braucht, trägt wohl nicht das alte T-Shirt vom Sportlehrer auf. Nicht in Zeiten billiger Wegwerf-Klamotten.

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